Motorrad

Ich muß Dir was erzählen. Es hat Vorgestern angefangen.

Ich war in der Schule und hatte Mathe. Meine Lieblingsfach, haha. Wir hatten Analytische Geometrie, Verktorrechnung also. Finde ich sehr interressant! Vor allem, da man es in der Physik gut gebrauchen kann. Kräft sind ja auch nur Verktoren. Zur Zeit nehmen wir aber die spezielle Relativitätstheorie durch. Das paßt eigentlich auch, und ich finde es lustig, daß sich eigentlich niemand einen Vier-Dimensionalen Raum vorstellen kann. Das heißt ein Raum, dessen vier Achsen senkrecht aufeinanderstehen. Wie soll daß gehen? Drei aufeinanderstehende Achsen kann man sich ja eigentlich Problemlos vorstellen, aber vier?!? Und wie soll man sich das nun begreifbar machen? Mir ist eingefallen, daß man ja einen Drei-Dimensionalen Raum in einen Zwei-Dimensionalen Projezieren kann. Also müßte man doch einen Vier-Dimensionalen Raum in den Drei-Dimensionalen Projezieren können, oder? Oder ist das ein Fehlschluß? Man kann ja auch keinen Zwei-Dimensionalen in einen Ein-Dimensionalen Projezieren. Oder doch? Aber wie soll man sich einen Ein-Dimensionalen Raum vorstellen? Naja, egal. Philosophie, ist nicht meine Sache, viel zu unkonkret und unlogisch zumeist.

Es war also Mittwoch und das Ende nahte. Das Ende der Schule natürlich. Ein Freund von mir, hatte letzten Freitag seinen Motorradführerschein gemacht, und kam seit daher nur noch mit seiner Maschine in die Schule. Die Sau! Seit einem Jahr spar ich jetzt schon auf ein Motorrad, er macht mich wirklich eifersüchtig. Wie sehr vermisse ich denn Sound einer Maschine und das Gefühl sich mit einem Motorisierten Zweirad in die Kurve zu legen. Mit einem Fahrrad ist es ähnlich, reicht aber nicht daran heran. Und einen Roller? Naja, nich so mein Ding. Eine gute Bekannte von mir fährt die ganze Zeit Roller. So’n Roller hat schon Vorteile einem Auto gegenüber. Aber nicht einem Motorrad! Ich weiß noch wie mein Fahrlehrer, natürlich auch einen Motorradfreak, mit mir die schönsten Landstraßen gefahren ist, die besten Autobahnausfahrten und Parkplätze. Er mit seiner R1100 von BMW, vollverkleidet, und einfach fett! Dieses Gefühl eine schwere Maschine unter sich zu haben und sie wirklich in die Kurve reindrücken zu müssen, WOW. Wie lange wird es dauern, bis ich das wieder erlebe?

Am Donnerstag dann machten wir uns an die Vorbereitungen für’s Wochenende. Besprachen Partys, wo, wann, mit wem, das übliche halt. Ach ja in die Schule gingen wir auch noch, aber das ist ja nebensächlich. Ich hatte leider keine Zeit, ich mußte arbeiten, Geld verdienen! Das ich dann sparen kann und mir vielleicht doch mal ne Maschine kaufen kann. Vielleicht sogar schon bald, aber wie ich mich kenne löst sich das Geld eh‘ bald ich Luft auf. Der Nachmittag war total verregnet, ich saß die ganze Zeit vor meinem Computer und spielte mein Lieblingspiel, Heroes of Might and Magic III.

Freitag. Heute. Freitag ist der einzige Tag in der Woche, an dem ich selbst mit dem Auto in die Schule fahre, und das auch nicht immer. Ich bin ja Umweltfreundlich J . Es ist auch ein Verregneter Tag. Ich fuhr also die Ungererstraße in Richtung Mittlerer Ring, dann auf den Ring und dann die Ausfahrt Tucherpark. Gleich hinter der Ausfahrt staute es sich. Ich konnte leider nicht sehen warum, aber es sah so aus, also ob weiter vorne ein Unfall passiert ist. Es ging nicht weiter, und ich sah einige Blaulichter. Ich stieg aus und ging nach vorne. Während ich so auf dem Grünstreifen ging, kamen zwei Krankenwägen entgegen. Typisch, nicht ein schneller, sondern gleich zwei langsame.

Sobald sie die Sirene ausgeschaltet hatten hörte ich schreie. Ich wurde langsamer. Es war schrecklich. Ich sah einige Gaffer und zwei Polizeiautos. Sie hatten mehr oder weniger einen Kreis gebildet. Aber es war noch etwas Platz um aus einiger Entfernung zu sehen, was passiert war. Das heißt, ich denke daß es einen Motorradfahrer umgeschmissen hat. Ich sah einige Teile auf der Straße verstreut. Auch Splitter. Und immer diese Schreie. Diese Schreie, die ich wohl nie vergessen werde. Schreie, die direkt ins Herz gehen, ohne Umweg. Und dort bleiben sie und werden nie vergessen. Es lag auch ein etwas größeres schwarzes etwas ‚rum. Ich glaube es war der Ursprung der Schreie, denn zwei Sanitäter knieten daneben. Die armen. Es muß ein schrecklicher Job sein, denn man ja sowas nicht einfach liegen lassen. Ich blieb in einiger Entfernung stehen. Auch einige Gaffer drehten sich jetzt um und kamen auf mich zu. Sie gingen zu ihren Autos. In ihren Gesichtern spiegelte sich der Tod. Nicht der sofortige Tod. Nein. Sie sahen aus, als ob sie es dem Fahrer gewünscht hätten, es wäre ein schneller Tod gewesen. Einige waren sehr verstört. Einige wankten sogar. Ich traute mich nicht näher hinzugehen. Und immer noch diese Schreie. Immer wieder und wieder und wieder. Ich drehte mich um, versuchte mich zu fangen und ging zum Auto zurück. Als ich wieder einstieg, sah ich wie dieses schwarze Etwas in einen Krankenwagen geschafft wurde. Die Polizei machte gerade noch Photos. Der Krankenwagen fuhr mit Blaulicht davon. Die Schreie hallten in meinem Ohr wider. Ich konnte sie einfach nicht da raus kriegen. Ich schaltete mein Radio an, doch der Klang der schönsten Musikstücke, prallten einfach ab.

Einige Zeit später wurde die Straße wieder frei gegeben und ich fuhr zur Schule. Ich konnte leider nicht sehen, was für ein Motorrad es gewesen ist. Daran hab‘ ich nicht mehr gedacht.

Die Schule war schrecklich, die ganze Zeit verfolgten mich diese Schreie. Ich konnte mich nicht konzentrieren.

Es ist Abend, und ich versuche zu schlafen, ich muß morgen früh raus. Und wie ich hier so liege, und mich an des Geschehene des Tages erinnere, fällt mir auf, daß mein Freund mit dem neu ergaterten Führerschein, heute gar nicht in der Schule war…

NOT 2B continued

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