Konrad:
War's auch nicht. Hast recht. Hoffnung für die Welt? Siehst du da noch welche?
Wenn ich nachrichten schaue, den Newsletter von Greenpeace oder vom WWF lese,
wird mir immer ganz übel. Aktueller Auswuchs sind ja die unwetter. Nicht
nur in Deutschland, sondern in ganz Europa, sogar in Asien. Haben wir überhaupt
ne Chance unseren Planeten halbwegs zu retten, so dass er wenigstens noch lebenswert
ist oder haben wir das gar nicht verdient?
Raul:
Ich finde es... natürlich.. nur gerecht. Die Natur schlägt zurück.
Viele sagen "die Natur wird zurückschlagen" aber ich denke mir,
sie macht das schon die ganze Zeit... Verdient hätten wir's, daß wir's
schaffen, wenn nicht, dann halt nicht...
Konrad:
Aber wie sollen wir das hinbekommen. Ich meine global warming kommt ja nicht
erst auf uns zu, Klimakatastrophen werden wir nicht erst in Zukunft haben,
wir stecken mitten drin. Und selbst dann hält es ein Land wie die USA
nicht für nötig diesen kleinen Furz von Kyoto zu unterschreiben,
der ja sowieso erst der absolute Anfang sein kann. Es muss viel mehr passieren,
wenn wir die globale Erderwärmung bremsen bzw. stoppen wollen. Und das
ist nur eines von ganz vielen Problemen. Klar ist es gerecht, dass wir Unwetter
abbekommen, nur leider ist es nicht wirklich gerecht. Denn am schlimmsten betroffen
sind ja mal wieder die, die am wenigsten dafür können, die allerärmsten
nämlich. Die Südrussen leisten doch einen vergleichsweise popeligen
Beitrag zur Umweltverschmutzung, sie hat das Hochwasser aber mit am Übelsten
erwischt, während wir halt unsere Keller wieder auspumpen müssen
und vielleicht ein paar Möbel wegschmeißen und dafür neue kaufen
müssen. Das ist doch nicht gerecht oder?
Raul:
Ich sehe es so: "Der Mensch" muß für seine Fehler gerade
stehen. Natürlich trifft es immer die, die nichts dafür können,
aber jeden Mensch trägt zu der Umweltverschmutzung bei. Dagegen ist nichts
zu sagen. Und meinst du nicht, dass viele Amerikaner durch die harten Winter
und die Tornados genug bestraft werden? Die sind ja nicht eine erst vor kurzem
aufgetretene Erscheinung, sondern schon immer da. Außerdem, so wie die
Russen die Eisenbahn benutzt haben die Kohle verheizt haben und Benzin fördern..
das ist doch auch nicht wirklich gut für die Umwelt. Denk mal an die Autos
die sie fahren... Japan ist ja in Sachen Umweltschutz sehr weit. Die bekommen's
auch irgendwie hin... Außerdem denke ich mir "Man gewöhnt sich
an alles". Es muss auch so sein, sonst wäre "der Mensch" auch
nicht überall auf der Erde anzutreffen. Sogar im All gibt es ihn... Die
Inder haben sich ja auch an den Monsun gewöhnt. Und nur weil die Unwetter
schlimmer werden... wobei ich glaube, daß die nicht unbedingt schlimmer
geworden sind, sondern dass der Mensch einfach die Umwelt so verändert
hat, dass sie den Menschen härter treffen... heißt es ja nicht,
daß man sich nicht auch an diese "neue" Härte gewöhnen
könnte...
Konrad:
Sicher werden wir uns an diese recht popeligen Unwetter gewöhnen, aber
wie sieht es mit echten Unwettern wie El Ninho (hab die Tilde nicht hinbekommen,
also musste ich es portugiesisch schreiben) aus? Oder diesen unglaublichen
Riesenwellen, die nach Erdbeben entstehen? Oder eben Erdbeben und Vulkanausbrüche.
Sicher werden wir uns auch daran gewöhnen, wir hier im sicheren und wohlhabenden
Mitteleuropa. Aber was ist mit den hunderten von Millionen von Menschen, die
kaum was zu beißen haben. Die ersaufen einfach oder trinken verseuchtes
Wasser, weil sie kein anderes mehr bekommen können, ihre Ernte, die ohnehin
nicht so prickelnd ist, wird vernichtet und sie hungern und verhungern. Was
ist mit denen? Gewöhnen die sich auch daran? Ich glaube nicht. Gewöhnen
können sich nur die wohlhabenden Länder an diese Naturgewalten und
das sind aber nur 20 % der Erde. Die restlichen 80 % werden immer schlimmer
darunter leiden. Eiskalt betrachtet muss man dazu sagen, dass wir uns ohnehin
dezimieren müssen, um diese bevorstehende Menschheitskrise überstehen
zu können. Wir sind einfach zu viele. Aber wie gesagt, das ist eiskalt
und leicht zu sagen, weil die Chance, dass ich nicht zu denen gehöre,
die das betrifft recht gut ist.
Raul:
Natürlich weinen wir, wenn unsere engeren Verwandten sterben, aber es
sterben so viele und irgendwann wird jeder sterben.. ich sehe es so, bin leider, "eiskalt".
Aber Du weißt ja, ich habe mit meinem Leben abgeschlossen und ich kann
von mir aus morgen... oder heute schon sterben. Mir ist das egal, aber "den
anderen" eben nicht. So wie ein Chirurg sich daran gewöhnen wird
Menschen aufzuschneiden, gewöhnen sich auch die Menschen in anderen Ländern
daran, jung zu sterben. Es sterben ja nur so viele, weil es viele Kinder gibt.
Und es gibt viele Kinder, weil viele sterben. Das war bei uns früher auch
so, aber wir "reichen Europäer" brauchen eben nicht so viele
Kinder um den Fortbestand der Art zu gewährleisten. Viele Kinder sind
hier eher ein "Luxusgut" während es in armen Ländern eher
um's "überleben" bzw. die Altervorsorge geht... Und was heißt
schon "Arm"? Wieso werden sie als "Arm" bezeichnet? Weil
sie kein fließend Wasser hatten? Das hatten bei uns nicht mal Könige.
Oder die Römer... und die waren nicht arm.
Konrad:
Also arm definiert sich laut der UNO über das Einkommen. Wer weniger als
einen Dollar pro Tag zum Überleben hat, gilt als arm. Und das ist scheißwenig!
Nicht fließend Wasser ist das Problem, sondern sauberes, trinkbares Wasser,
Nahrung und ein Dach über dem Kopf. Und da gibt es nichts zu diskutieren.
Wenn du dir mal die abgemagerten Kinder und Erwachsenen anschaust, findest
du nur ein Vergleichsbeispiel aus Europa, aber das ist ein ganz übles.
Nur die KZ-Häftlinge sahen ebenso übel aus!
Das Problem ist aber auch, dass wir unseren Reichtum auf Kosten der Dritten
Welt erlangt haben und weiter erlangen. Wenn du mal ein paar üble Statistiken
sehen willst: http://www.attac-austria.org/download/flyer_daten.pdf
Raul:
Ich sehe daß nicht so antieuropäisch oder antiamerikanisch wie du.
Die abgemagerten Leute sind ja auch schrecklich, ich geb's ja zu. Aber so ist
die Welt. Das ist nicht die Diskussion, um die es hier geht! Mir ist es relativ
egal was die UNO, zugegeben ein Zusammenschluß vieler Nationen, aber
vielleicht mit den falschen Werten, sagt, was arm ist und was reich. Reich
ist jemand der/die ein erfülltes Leben hat und nicht jemand, der viel
Geld hat. Ein Bauer könnte auch für sich selbst sorgen ohne einen
Batzen Geld auf dem Konto zu haben. Um aber etwas kaufen zu können, was
er nicht unbedingt zum Überleben braucht, dafür braucht er Geld.
Aber was er nicht zum Überleben braucht ist doch per definition Luxus.
Und nur weil es Länder gibt in denen "immer noch" Bauern leben
und arbeiten, heißt das noch lange nicht, daß diese Länder
arm sind. Bedenke mal, was in Europa mit der ach so tollen Industrialisierung
gekommen ist. Der Ursprung dieser Diskussion, die Umweltverschmutzung! Und
was heißt schon "unsauberes" Wasser? Die Höhlenmenschen
haben überlebt, obwohl sie keine Seife hatten... Komm' mir jetzt nicht
damit, daß in das Trinkwasser uriniert und kotiert (?) wird, es gibt
Leute in Europa, die machen das extra... *schauder* Man kann einfach nicht
sagen, was arm und was reich ist... egal wen du fragst, jeder fühlt sich
arm. Du wirst nie herausfinden, wer wirklich arm ist solange du an die Maßstäbe
glaubst, die dir andere vorgeben. Es fühlen sich alle arm, weil alle doch
ach so unschuldig und ach so unzufrieden sind und weil alles besser sein könnte....
Außerderm, als der Vesuv zu Zeiten der Römer ausgebrochen ist, war
auch das nicht der Grund für den Niedergang des römischen Reiches
sondern das waren die Römer selbst. Ich weiß, die Natur schlägt
zurück, aber ich denke nicht nur mit Fluten, Erdbeben und und und, sondern
einfach mit dem Menschen selbst. Oder wie es auf meinen Greenpeace T-Shirts
steht (ich habe leider keine Photos im Web gefunden :-( ) Unterhalten sich
zwei Planeten (Sinngemäß)
"
Du siehst krank aus"
- "Ja, ich habe homo sapiens"
"
Und? Wie geht's Deinen Homo Sapiens?"
- "Och, Du. Hat sich von selbst erledigt"
Konrad:
Na ja, also ich bin schon der Ansicht, dass man Armut definieren kann. Leute,
die hungern sind definitiv arm. Leute, die nicht genug sauberes Trinkwasser
haben sind definitiv arm. Und ob Wasser sauber ist oder nicht macht einen großen
Unterschied. Ich meine nicht Urin oder so. Das ist Wurscht, in begrenzten Mengen
zumindest, aber Abfälle können Wasser verunreinigen. Abgestandenes
Wasser, das zu lange in sumpfartigem Schlamm steht. All das fördert das
Wachstum vieler Bakterien und Krankheitserreger. Schon mal was von Ebola gehört?
Brauchst mir nicht zu erzählen, dass das bei den Urmenschen auch so war!
Mein Vater hat einmal als er in China war und sie mit einem Schiff einige Tage
den Gelben Fluß oder so entlang gefahren sind, sich mal mit dem Flußwasser
die Zähne geputzt, weil's kein anderes gab. Aus war's, tagelang übelsten
Durchfall hat er bekommen und das Wasser war vergleichsweise sehr sauber. So
sauber, dass man sich noch daran hätte gewöhnen können, denn
die Chinesen haben es auch benutzt – ohne Durchfall. Aber daran siehst
du, was das schon ausmacht, ob Wasser sauber ist oder nur ziemlich sauber.
Du kannst natürlich jetzt sagen, sollen sie das Wasser doch abkochen,
dann sind die Bakterien tot und alles ist prima. Leider geht das in Afrika
oftmals nicht, weil ihnen das Brennmaterial fehlt. Würden sie das alle
tun, würde die Sahara wohl schon bis nach Südafrika reichen, weil
jeder Busch zum Wasserabkochen gerodet worden wäre. Nein, man darf es
sich da nicht zu einfach machen. Zumal wir geilen Europäer Afrika ja erst
so richtig schön in die Scheiße geritten haben mit unserem imperialistischen
Kolonialismus. Deshalb dürfen wir uns jetzt nicht vor der Verantwortung
verkriechen, sondern müssen etwas tun gegen die katastrophalen Zustände
dort.
Womit du allerdings sehr recht hast ist, dass Armut oder Reichtum keinen Aufschluss über persönliches Glück geben. Es gibt da so eine britische Studie, nach der leben die glücklichsten Menschen in Bangladesch, einem der ärmsten Länder der Erde. Während die mürrischen, ewig meckernden Deutschen nur auf Platz 42 rangieren. Damit hast du also sehr recht, dass Geld nicht gleich Glück bedeutet. Dennoch sollte Armut in Form von Hunger und immensen sozialen Unterschieden innerhalb einer Gesellschaft, die stets zu Neid und Hass und Ausbeutung führen, bekämpft werden. Armut ist schließlich auch ein guter Nährboden für Terrorismus, wie wir ja aus Nahost wissen. Daher sollte uns einiges daran gelegen sein, etwas dagegen zu tun. Denn irgendwann klopfen die auch an unsere Tür.
Raul:
Ich sage nicht "da muß man das Wasser halt abkochen"... selbst
wenn man dafür nicht abholzen müsste, da es ja Solarkocher und sowas
gibt... aber Du hast selbst gesagt, es ist Gewöhnungssache. Nur weil,
laut Deiner Definition, "reicher Europäer" Durchfall bekommt,
heißt das noch lange nicht, daß das Wasser auch gefährlich
ist, wie man an den Chinesen merkt. Ich wiederhole: Der Mensch gewöhnt
sich an alles! Er ist nicht ohne Grund fast überall auf der Erde. "Sauber" ist
relativ. Für einen Chirurgen mag heutzutage ein Schnitt in den Körper,
der gut verheilt, die sauberste Möglichkeit sein einen Menschen zu operieren
aber in ein paar Jahren werden vielleicht kleine Roboter durch den Körper
jagen. Dann wird das als sauberstes gelten. Damit wird der Schnitt aber nicht
unsauber! Bedenke, früher hat man auch im "reichen" Europa den
Müll und alles auf Straße geschmissen. Und wo sind wir jetzt? Sicherlich
ist die Kolonialzeit eine böse Zeit gewesen. Aber mit den Menschenrechten
und der Einsicht, das ein gesundes Land auf dauer mehr Profit bringt (Profit
nicht nur im Sinne von Geld und Rohstoffen sondern auch Intelligenz) hat sich
einiges gebessert.
Terrorismus hat hier nichts zu suchen, darüber will ich nicht diskutieren!
Konrad:
Haha, Solarkocher, sehr witzig. Das ist ungefähr so abstrus wie zu behaupten,
dass dort bald alle mit Handys telefonieren würden. Schon vergessen, weniger
als einen Dollar zum Überleben pro Tag (übrigens darfst du das nicht
so eng sehen mit dem Geld, das bedeutet auch, Naturalien im Wert von einem
Dollar!), wüsste nicht, wie man sich da einen Solarkocher besorgen soll.
Falls du dich erinnerst hatten wir in Europa im Mittelalter, als wir noch auf
die Straßen geschissen und alle Abfälle dorthin geworfen haben,
ein paar klitzekleine Problemchen damit. Ich sage nur, die Pest, die ja "nur" etwa
die Hälfte der damaligen Bevölkerung hinweggerafft hat. Das lag übrigens
an mieser Hygiene und verseuchtem Trinkwasser. Soviel dazu. Wie gesagt, Ebola,
Cholera, Pest in Indien, all das hört man immer wieder. Meist spielt verseuchtes
Trinkwasser eine Rolle. Und jetzt erzähl mir nicht, dass würde nur
für verweichlichte Mitteleuropäer gelten. Die sind nämlich die
einzigen, die bei solchen Epedimien nicht sterben, eben gerade weil sie Zugang
zu sauberem Wasser und Sanitäranlagen/Hygiene haben.
Okay, dann lassen wir das Thema Terrorismus mal beiseite, obwohl das
natürlich damit zu tun hat, aber müssen ja nicht drüber reden.
Raul:
Nugloor hadden wa Broblemsche... aber wir haben sie gelöst. Auch die "armen" Länder
werden sie lösen, es dauert halt nur. Aber Europäer gibt es immer
noch. Und zwar genug. Zugegeben, diese Epidemien rühren von der unsauberen
Hygiene, aber die sind ja eher die Ausnahmen. Und wenn sie wirklich zur Regel
werden, dann wird der menschliche Körper auch dagegen irgendwann Antikörper
bilden können, denn: Der Mensch gewöhnt sich an alles! Ich sehe es
so: Die Natur schlägt zurück. Die Epidemien sind einer der Rückschläge.
Der Mensch schaufelt sich sein eigenes Grab... Ach ja. Wenn sie pro Tag einen
Dollar haben zum leben haben, wo kaufen sie ein?
Konrad:
Sicherlich wird Afrika nicht leersterben. Darum geht's ja auch gar nicht. Aber
wir haben die Möglichkeit, das zu verhindern. Die USA haben jetzt ihr
Militärbudget um das doppelte der weltweiten Entwicklungshilfe erhöht.
Würden sie stattdessen das Geld eben für Solarkocher ausgeben, könnten
sicher viele Menschen Zugang zu sauberem, abgekochtem Wasser haben ohne ganz
Afrika roden zu müssen. Oder Schuldenerlass für die Dritte Welt.
Denn die zahlen ja pro Jahr mehr Zinsen als wir ihnen an Entwicklungshilfe
zahlen. Klar werden die auch irgendwie ohne unsere Hilfe überleben, also
zumindest ein paar von ihnen. Aber müssen wir ihnen nicht helfen bzw.
aufhören sie auszubeuten? Ist das nicht das mindeste? Wenn wir es nicht
tun, dann werden wir irgendwann unser blaues Wunder erleben. Jetzt muss ich
aufpassen, dass ich nicht wieder zu Terrorismus komme. Aber es gibt nicht wenige,
die glauben, dass wenn wir so weiter machen, irgendwann der große Strom
von Süd nach Nord kommen wird. Eine Art neue Völkerwanderung.
Raul:
Die Welt ist gerecht, die jetzt armen Länder werden die jetzt reichen
Länder schon irgendwann einholen oder überholen und dann geht's den
jetzt Reichen Ländern vielleicht an den Kragen...
Bis dahin, Prost
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